Junge Menschen mit problematischem Suchtmittelkonsum oder süchtigem Verhalten konnten in den Jahren vor 2002 im Landkreis Ludwigsburg kaum in einem frühen Stadium erreicht werden, in dem körperliche und soziale Folgeschäden (wie Schwierigkeiten in der Schule, in der Berufsausbildung, am Arbeitsplatz ...) noch wenig ausgeprägt sind. Das lag vor allem an der hochschwelligen „Komm-Struktur“ der Beratungsstellen, die wiederum zurückzuführen war auf die geringen Personalressourcen im Suchtbereich. Aufgrund der daraus resultierenden dringenden Notwendigkeit, die Suchthilfe für junge Menschen auszubauen, entwickelte sich eine gemeinsame Initiative des Sozialdezernats des Landkreises Ludwigsburg und der beiden Suchtberatungsstellen der Diakonie und der Caritas. Ziel der Initiative war die Schaffung eines aufsuchenden, niedrigschwelligen Angebotes für junge Menschen, welches gleichzeitig die Suchthilfe mit der Jugendhilfe (Jugendarbeit, Jugendberufshilfe ...) vernetzt = chillout.
Chillout, die aufsuchende Jugend- und Drogenberatung im Landkreis Ludwigsburg, war von Dezember 2001 bis Dezember 2007 ein Projekt mit einer befristeten Projektfinanzierung durch den Europäischen Sozialfond (ESF), den Landkreis Ludwigsburg und der Stiftung "Jugendförderung, Arbeit und Soziales" der Kreissparkasse Ludwigsburg. Seit Januar 2008 ist chillout kein Projekt mehr, sondern ein Angebot der Suchthilfe das vom Landkreis Ludwigsburg und durch Zuschüsse des Sozialministerium finanziert wird.
Die Mitarbeiter/innen von chillout möchte von einem präventiven Standpunkt aus zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Leben anregen. Im Kontakt mit den Jugendlichen soll deren Konsumverhalten hinterfragt und Alternativen zum Suchtmittelgebrauch ins Bewusstsein gerückt werden. Durch Beratungsangebote mit jugendspezifischen Themen soll eine flexible, optimistische, möglichst suchtmittelfreie Lebenseinstellung gefördert werden. Wir sehen die Jugendlichen nicht nur mit ihrem problematischen Verhalten, sondern gerade auch mit ihren Fähigkeiten und Ressourcen. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen soll die Möglichkeit gegeben werden, im Rahmen von Einzel- bzw. Gruppenangeboten, jugendspezifische Themen und Fragen zu erörtern.
Die Mitarbeiter/innen sind an die Psychosozialen Beratungsstellen der Diakonie und der Caritas angegliedert. Sie sind aber hauptsächlich dort präsent, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene aufhalten und ihren Lebensmittelpunkt haben. Wir arbeiten deswegen eng mit den Jugendeinrichtungen im Landkreis, wie z.B. der Mobilen- und Offenen Jugendarbeit sowie den Bildungsträgern zusammen.
Ziel ist die Nutzung der bereits bestehenden Kontakte und Beziehungen der Jugendhilfemitarbeiter/innen zu den Jugendlichen (Tandem-Team), um mit gefährdeten Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Auf der anderen Seite erhält der Jugendhilfemitarbeiter Unterstützung und Kompetenzerweiterung in Suchtfragen.
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von chillout ist die vorurteilsfreie Grundeinstellung gegenüber jungen Menschen. Wir akzeptieren jugendliche Szenen, Lebensstile, den Gebrauch von Suchtmitteln und Verhaltensweisen die zur Sucht führen können.
Dieses Prinzip schließt eine autoritäre Durchsetzung des Abstinenzgebots und Forderung zur sofortigen Verhaltensänderung aus.
Die Angebote und Hilfen von chillout richten sich an alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis zum 27. Lebensjahr, die mit Suchtmitteln experimentieren, regelmäßig Suchtmittel konsumieren oder von Suchtmitteln abhängig sind. Ebenso richten sie sich an junge Menschen mit süchtigen Verhaltensweisen wie z.B. Ess-Störungen, Onlinespielsucht usw....
Die Mitarbeiter/innen von chillout beraten und informieren "vor Ort" Betroffene, Mitarbeiter/innen von Jugendhilfeeinrichtungen, Eltern und Interessierte. Augenmerk soll gelegt werden auf bislang wenig versorgte Gruppen wie z.B. jugendliche Aussiedler/innen mit Suchtproblematik.
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen entscheiden selbst, ob sie Kontakt zu den Mitarbeiter/innen haben wollen oder nicht.